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7. August 2015 um 12:15 Uhr

Wenn Giganten straucheln – Die größten Flops von Apple, Google, Facebook und Co.

Wenn Giganten straucheln – Die größten Flops von Apple, Google, Facebook und Co.

Sie haben vieles richtig gemacht, sonst wären sie nicht da, wo sie heute sind. Apple als eines der größten Unternehmen der Welt, dessen Logo jeder auf Anhieb erkennt, Google als weit enteilter Marktführer unter den Internet-Suchmaschinen und natürlich das soziale Netzwerk Facebook mit seinen Milliarden von Mitgliedern sind Stammgäste auf der Erfolgswelle – was sie nicht davor bewahrt, gelegentlich Schiffbruch zu erleiden. Wirft man einen Blick in die Vergangenheit von Apple, Google und Facebook entdeckt man so einige Flops, die diese Giganten des Internets am liebsten für immer aus der Firmenhistorie radieren würden.

 

Lisa & Pippin & Macintosh Portable – Apples größte Flops

„Lisa“ klingt im ersten Moment so gar nicht nach einem Apple-Produkt und bei Apple würde man heute sicher gerne behaupten, es wäre keines gewesen. Der Apple Lisa kam 1983 als Personal Computer, mitsamt Maus und einem Betriebssystem mit graphischer Benutzeroberfläche, auf den Markt. So überlegen das Gerät der Konkurrenz in technischer Hinsicht war, so hoch war auch der Preis. Auf die heutige Kaufkraft umgerechnet, kostete ein Apple Lisa 27.000 Euro. Von einem Personal Computer für Jedermann konnte angesichts einer solchen Summe keine Rede sein. Apple hatte das Maß aus den Augen verloren und sich heftig verspekuliert. Bereits 1984 wurde die Produktion wieder eingestellt. Unrühmlicher Höhepunkt der traurigen Lisa-Story: 2700 übriggebliebene Modelle wurden 1989 einfach auf einer Müllhalde im US-Bundesstaat Utah vergraben, um sie zumindest steuerlich absetzen zu können.

Zu einem weiteren großen Flop für Apple wurde der Apple Pippin, der 1995 als ein Mittelding aus Computer und Spielkonsole in Japan sowie den USA auf den Markt kam. Dieses Konzept ging überhaupt nicht auf. Als Spielkonsole war Pippin zu teuer und hinkte hinter den Markführern Sony PlayStation, Sega Saturn und Nintendos N64 hinterher, und als Computer war Pippin zu schwach ausgestattet. 1997 verschwand Pippin wieder aus dem Apple-Sortiment und steht bis heute in dem Ruf, eines der schlechtesten Tech-Produkte aller Zeiten zu sein.

Sehr negative Kritiken prasselten Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre auch auf Apples ersten tragbaren Computer, den Macintosh Portable, ein. Neben dem (mal wieder) zu hohen Preis, war der Macintosh Portable im wahrsten Sinne des Wortes untragbar. Na ja, zumindest fast. Das Gerät erwies sich in seiner Größe als zu sperrig und im Gewicht zu hoch, um echte Mobilität zu gewährleisten. Technisch gab es am Macintosh Portable nichts auszusetzen, aber wer kauft sich schon einen offiziell tragbaren Computer für viel Geld, wenn er einen kaum schwereren, aber ebenso leistungsfähigen Rechner von Apple für einen deutlich geringeren Preis bekommen kann?

 

Wave, Answers & Lively – Googles größte Flops

Apropos Erfolgswelle. 2009 startete Google den Online-Dienst Google Wave, der Kommunikation und Zusammenarbeit in Echtzeit ermöglichen sollte. Zunächst war der Dienst nur auf Einladung nutzbar, später wurde er für alle freigeschaltet, doch die Nutzerzahlen enttäuschten trotz anfänglichem Hype und wohlwollender Presse. Das Scheitern von Google Wave lässt sich wohl vor allem mit dem unübersichtlichen Konzept erklären, das von vielen Nutzern nicht wirklich verstanden wurde und nicht die erhofften Vorteile gegenüber Email und anderen Kommunikationsmitteln bot. 2010 wurde Google Wave eingestellt.

Wenn man über Google ohnehin die meisten Informationen bezieht, warum dann nicht gleich gezielte Fragen stellen, durch die sich das mühsame Suchen erübrigt? Dieser Gedanke erschien Google logisch genug, um 2002 den Auskunftsdienst Google Answers ins Leben zu rufen. Dass die Nutzer hier allerdings für die Antworten, die von freiberuflichen Researchers stammten, bezahlen sollten, wirkte sich nicht unbedingt positiv auf die Beliebtheit von Google Answers aus. Der Dienst wurde 2006 aufgegeben.

Zwischen 2006 und 2008 erlebte die virtuelle Welt namens Second Life einen Nutzerboom, der auch Google nicht entging. Als Gegenentwurf schickte Google im Juli 2008 die virtuelle Umgebung Lively ins Rennen, die comichafter war als Second Life und deutlich weniger Funktionen bot. Noch im gleichen Jahr stellte Google das Projekt sang- und klanglos wieder ein. Auch die große Zeit von Second Live ist mittlerweile vorbei. Da hat sich Google zu halbherzig an etwas versucht, das damals eigentlich schon keiner mehr wollte.

 

Poke, FFN & Home – Facebookes größte Flops

Nach Facebooks vergeblichem Versuch, sich die App Snapchat einzuverleiben, entwickelte das soziale Netzwerk einfach ein Konkurrenzprodukt namens Poke, um Snapchat die Nutzer abspenstig zu machen. Wie Snapchat ermöglichte Poke es, Nachrichten, Bilder oder Videos zu verschicken, die sich nach kurzer Zeit selbst zerstören. Diese kleine Revanche ging allerdings gründlich daneben und Poke ereilte das gleiche Schicksal wie die Bilder, die darüber verschickt wurden (oder verschickt werden sollten): die App wurde aus dem iTunes-Store genommen und ward nie wieder gesehen.

Wenn ein Produkt nach 24 Stunden schon wieder vom Markt ist, kann man von einem ziemlich großen Fehlschlag sprechen. So erging es im Juni 2012 der Funktion Find Friends Nearby, kurz FFN, oder auch Friendshake. Facebook wollte seine Nutzer mit diesem Service einfacher und schneller miteinander in Kontakt bringen. Statt Kontaktdaten auszutauschen, sollten Leute, die sich z.B. auf einer Party kennen lernen, einfach FFN aufrufen und sofort Freunde bei Facebook werden. Neben der Gefahr des Missbrauchs, da auch andere in der Nähe befindlichen Nutzer mit FFN die Profildaten abgreifen konnten, gab es rechtliche Querelen mit dem Dienst Friendthem.com. So war nach nur einem Tag Schluss mit FFN.

Anders als Poke ist die App Facebook Home nach wie vor verfügbar, nur ist das Interesse an ihr gemäßen an Facebooks Standards äußerst gering. Facebook Home ist eine kostenlose Software für das Betriebssystem Android, die die Bedeutung von Facebook im Smartphone-Bereich erhöhen sollte. Die erhoffte Resonanz blieb aber bislang aus. HTC musste gar ein speziell produziertes Facebook-Handy einstellen, da die Nachfrage nicht vorhanden war.

 

Virtual Boy, Kin & FirePhone – Die Flops der anderen

Apple, Google und Facebook haben so manche wunderbaren Beispiele dafür geliefert, dass auch Branchenführer auf die Nase fallen können, sie sind aber beileibe nicht die einzigen Internet- und Technikgiganten mit Lücken in der Erfolgsgeschichte. Es erscheint nur fair, auch einige andere Fehlschläge großer Unternehmen zu benennen.

Der japanische Konzern Nintendo hat sich mit dem Game Boy und dem Nintendo DS sowie Spieleserien wie Super Mario, Donkey Kong und The Legend of Zelda Welterfolg erarbeitet, doch 1995 holte sich Nintendo mit Virtual Boy eine blutige Nase ab. Der Virtual Boy war eine Art Virtual-Reality-Helm zum Aufstellen (nicht Aufsetzen!) und Durchsehen, der einen 3D-Effekt erzeugte. Das Gerät konnte sich weder auf dem japanischen noch dem amerikanischen Markt durchsetzen, da die Haltung beim Spielen als unbequem empfunden wurde und schnell Befürchtungen über mögliche Augenschädigungen und Kopfschmerzen aufkamen. Auch die Spieleauswahl war aufgrund der Skepsis vieler Spielehersteller äußerst gering.

Beim weltweit größten Software- und Hardwarehersteller Microsoft wird man nicht gerne an ein Produkt namens Kin erinnert, das im Jahre 2010 über einen Zeitraum von drei Monaten angeboten und von den Kunden dankend abgelehnt wurde. Kin war ein Social-Media-Handy mit eigenem Betriebssystem und sollte vor allem eine junge Zielgruppe ansprechen. Das Design des Handys fiel aber ebenso durch wie das erwähnte Betriebssystem, das als spezielle Entwicklung nicht über Apps erweitert werden konnte. An einer solchen Sonderlösung mit ungewisser Zukunft waren die Käufer letztlich nicht interessiert.

Im Herbst 2014 musste Amazon, der Markführer unter den Online-Versandhändlern, wohl oder übel einen Flop eingestehen. Das FirePhone, Amazons erstes eigenes Smartphone, verkauft sich schlecht. Das FirePhone ist vor allem ein Shopping-Handy, das die Nutzer so eng wie möglich mit Amazon vernetzen soll.  Bislang zeichnet sich nicht ab, dass das FirePhone wie Phönix aus der Asche steigt und zu etwas anderem als ein Fehlschlag wird.

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