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28. Juli 2015 um 15:40 Uhr

Trivago Werbung schlägt voll ein – woher wir das wissen?

Trivago Werbung schlägt voll ein – woher wir das wissen?

Die neue Trivago Werbung 2015 ist aktuell eine, die besonders in den Köpfen der Leute hängen bleibt. Der bärtige Mann mit seiner jungen, weiblichen Begleitung aus dem Vorjahr wurden abgelöst und durch eine neue Kampagne ersetzt. Das gut durchdachte Konzept wollen wir in diesem Artikel kurz analysieren.

 

Trivago Werbung mit Versprechen

Aktuell gibt es 3 Teile des Werbespots. Alle Teile erzählen eine Geschichte aus einem anderen Land bzw. einer Stadt: Italien, Bangkok und New York. Die kurzen Stories enden immer mit einer Frage, die (teilweise indirekt) mit dem Hotel zu tun hat. Darauf hat Trivago gleich eine Antwort mit einem Versprechen inklusive:

„Woher wir das wissen? Wir wissen alles über Hotels!“

 

Die Geschichten der einzelnen Teile


Italien: 1952 wird in einem Hotel eine Mafia-Bande gefasst. Am Abend zuvor beobachtet ein Junge die Bande und weiß, wo sie ihr Geld versteckt hat. Dieses nimmt er an sich und bunkert es in seinem eigenen Zimmer.  Er wird jedoch bei der Festnahme der Bande durch eine Tür am Kopf verletzt, woraufhin er vergisst, wo er das Geld versteckt hat. Aber Trivago weiß es!

 


Bangkok: In einem Zimmer eines Hotel spukt es und Geisterjäger finden erste Beweise dafür. Dass diese Ereignisse jedoch von der korpulenten Dame von gegenüber, die fröhlich unter der Dusche singt, erzeugt werden, weiß nur Trivago.

 


New York: Der Hotelpage erlebt eine sehr schöne Nacht mit der Prinzessin von „Bol Bol“ und verliebt sich in sie. Am nächsten Tag ist diese jedoch abgereist und hinterlässt nur einen Abschiedsbrief, in welchem sie die Tapete an der Decke lobt. Was der junge Mann mit dem gebrochenen Herzen nicht sieht: die Prinzessin hat ihm dort ihre Nummer hinterlassen. Trivago entgeht das nicht.

 

Der Aufbau der neuen Trivago Werbung

Die Geschichte wird jedes Mal von einer sehr ruhigen und monotonen Stimme erzählt. Lediglich ein Satz einer anderen Person (in Italien der kleine Junge, in Bangkok der Hotelbesitzer und in New York der Hotelpage) sowie Hintergrundstimmen sind noch zu hören.

Alle Teile beginnen mit dem Namen des Ortes, des Jahres und dem Namen des Hotels (z.B. „New York – 2007 – Winston Hotel“). Dies prägt sich schnell ein und der Zuschauer kann jeden der Spots auf Anhieb als Werbung von Trivago identifizieren.

Auch die Geschichte wird immer gleich begonnen: „Am 2. Februar passierte ….“. Die Geschichte wird erzählt und nach 2/3 des Spots steht eine Frage im Raum: Spuckt es in dem Zimmer wirklich? Wo ist das Geld versteckt? Hat sie ihm wirklich das Herz gebrochen? Zudem gibt es in jeder Geschichte mindestens einen Moment, wo das Bild kurz für ein bis zwei Sekunden stehen bleibt. In Italien passiert dies einmal bei der Verhaftung sowie bei der Türszene, in Bangkok beim Abschließen des Zimmers zu Anfang und in New York jeweils in den Momenten, wo sich die Prinzessin und der Hotelpage sehen. Dieser kurze Stop wird immer mit einem „Ching“-Ton unterstützt und ist ein weiteres Wiedererkennungsmerkmal.

Die Auflösung der Handlungsfrage wird schließlich geliefert und dabei jedes Mal mit einer Nahaufnahme präsentiert (die Frau unter der Dusche, das Geld im Klavier,  die Nummer an der Tapete).

Dann folgt der einprägsame Abspann: „Woher wir das wissen? Wir wissen alles über Hotels!“. Letztlich klingt der Werbespot mit der gut gewählten Musik und dem Logo aus.

 

Zeitliche Parallelen

Nicht nur die Bausteine jeder Geschichte sind gleich, sie sind sogar zeitlich identisch. Jede Trivago Werbung ist genau 30 Sekunden lang und die einzelnen Bausteine haben ein identisches Tempo:

trivago werbung zeitleiste

In den ersten 3 Sekunden der Trivago Werbung wird zur Einleitung Ort, Jahr und Hotel genannt. Im größten Teil des Werbespots wird die Geschichte erzählt. Die in der Geschichte aufkommende Frage wird in ca. 4 Sekunden aufgelöst. Der Abspann dauert jeweils 6 Sekunden.

 

Was macht die Trivago Werbung so einprägsam?

Die Stimme: Die Stimme des Erzählers ist in allen 3 Teilen gleich. Er erzählt alle Geschichten monoton und ruhig. Die Stimme wird nach kurzer Zeit so stark in Verbindung mit der Marke gebracht, dass der Erzähler theoretisch eine Bedienungsanleitung für einen Staubsauger vorlesen könnte und der Zuschauer würde an Trivago denken.

Die Storys: Da alle Storys vom Ablauf her gleich sind fühlt sich der Zuschauer vertraut mit der Werbung. Es könnte nun ein vierter Teil heraus kommen,  den die Zuschauer sofort als einen solchen identifizieren würden. Der Zuschauer erkennt bereits am Anfang (durch die Stimme und den Anfangssatz mit dem Ort, Zeit, Hotel), dass es sich um eine Trivago Werbung handelt, weiß dass eine Geschichte erzählt wird und ist gespannt auf „die Frage“.

Die Musik: Der Beat und das Summen sind sehr einprägsam. Es ist am Anfang und in der Mitte des Werbespots nur im Hintergrund zu hören, schleicht sich aber unterbewusst als Ohrwurm ein. Ansonsten ist in der Mitte der Werbung noch ein Gitarrenriff zu hören, der den Spannungsmoment unterstützt.

Die Schnitttechnik: Selbst bei der Schnitttechnik ist alles aufeinander abgestimmt. Jeder Spot hat genau 17 Kamera-Einstellungen. Bei 26 Sekunden Filmzeit (ohne Abspann) entspricht jede Kamera-Einstellung durchschnittlich ca. 1,5 Sekunden. Hierbei wird durch einen klassischen Jump Cut viel Dynamik erzeugt.

 

Gab es das nicht schon einmal?

otto werbung

Einen ähnlichen Ansatz sowie eine ähnliche Umsetzung verfolgte schon 2013 das Versandhaus Otto bei der Präsentation einer neuen Kollektion. Dabei wurde ebenfalls eine Geschichte in Vergangenheitsform erzählt, wobei aber jeweils eine komische Aktion dominierte, die dann Fragen aufwarf, nicht die Geschichte selbst.

 


In diesem gefundenen Beispiel erscheinen 3 Männer mit einer Box an einem Pool. Aus dem Pool taucht eine Frau auf, steigt aus dem Wasser und geht zu den Männern. In der Box ist ein roter Knopf, welchen die Frau drückt. Die Männer gehen und jeder Zuschauer fragt sich, was der rote Knopf zu bedeuten hat.

Doch die Erzählerin (nicht ganz so monoton erzählt wie in der Trivago Werbung) stellt dann nach einem kurzen Moment der Pause die Frage in den Raum: „Wo hat sie bloß diesen Bikini her?“. Abgeschlossen wird die Werbung mit dem Satz „Gefunden auf Otto.de“.

Das Grundkonzept ist ziemlich ähnlich, jedoch zielt die Otto Werbung auf den übertriebenen Moment und die darauf überraschend normale Frage ab. Die Antwort ist ziemlich identisch:

„Woher hat sie …? Gefunden auf Otto.de“
„Woher wir das wissen? Wir wissen alles über Hotels!“

Otto hatte damals nicht diese komplexen Parallelen in seiner Werbekampagne, wie es die Trivago Werbung nun fast in Perfektion umgesetzt hat. Mit der monotonen Erzählerstimme, den einprägenden Anfang und dem Sound bleibt die Trivago Werbung mehr hängen, als es damals die Otto Werbung getan hat.

Jedoch wirkt die „Message“ der Otto Werbung aussagekräftiger. Die Frage, woher sie den Bikini hat wir mit der Antwort „Gefunden auf Otto.de“ plausibel erklärt. Bei der Trivago Werbung wird die Frage „Woher wir das wissen“ mit der Behauptung „Wir wissen alles über Hotels“ beantwortet. Doch diese Behauptung wird so in der Trivago Werbung nicht gestützt.

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11 Kommentare bei “Trivago Werbung schlägt voll ein – woher wir das wissen?

  1. rosi sagt:

    Also, die neue Werbung von trivago finde ich schlecht , man versteht den mNn nicht . Er nuschelt etwas vor sich hin. Ich bin nicht die einzige die das findet auch in meinem Bekannten und Verwandten Kreis ärgert diese Werbung viele.

    1. Anna Franzen Anna Franzen sagt:

      Hallo Rosi,
      auch mir ist die seltsame Trivago Werbung aufgefallen, die so ganz anders ist, als die Kampagne, die wir in diesem Beitrag ansprechen. Schauen wir mal, wie die nächsten Werbespots werden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, vielleicht erklärt sich dann vieles?!
      Viele Grüße
      Anna Franzen

    2. Matthias sagt:

      Ich kann diesen Nuschler erstens nicht verstehen und dazu mag ich ihn auch nicht mehr nuscheln hören.

    3. Rudolf Schmitt sagt:

      Mich würde auch interessieren, wie viel teurer Trivago der Spot gekommen wäre, wenn man einen Darsteller verpflichtet hätte, der des Deutschen mächtig ist. Dieser Spot nervt mich genauso wie die Radiowerbung von Seitenbacher. Mich verleitet er stets zum Umschalten, aber offensichtlich ist das ja erwünscht:Eine nervige Werbung kommt leicht ins Gespräch.

      1. Die Seitenbacher-Werbung ist auf ihre ganz eigene Art schon beinahe Kult, allerdings lässt sich das nicht 1 zu 1 wiederholen. Der neuen Trivago-Werbung wird das voraussichtlich nicht gelingen, zumal Radio und Fernsehen zwei verschiedene Paar Schuhe sind.

  2. Die Sache mit dem Kleinen im Hotel war super. Erstklassig. Super erzählt. Super Schnitt. Der neue Nuschler ist dagegen ein Total-Flop. Der hat extreme Probleme mit seinen Zischlauten. Oder ist das geplant? Wenn ja, dann schlecht.
    Die neue Werbung ist nicht durchschscshschnitisch. Sondern einfach enttäuschschent. Ährlichschsch.

  3. Happarta sagt:

    Das was der Typ in der neuen Werbung spricht ist das Slang?
    Hört sich an wie Deutsch/Türkisch mit Frankfurter Rapperdialekt.
    Irgendwie Assi

    1. Weder Deutsch/Türkisch noch Frankfurter Rap, es ist ein französischer Dialekt. Der Schauspieler in dem neuen Trivago-Werbespot heißt Mehdi Nebbou und ist gebürtiger Franzose. Was sich Trivago genau dabei gedacht hat, einen französischen Spracheinschlag zu wählen, erschließt sich mir auch nicht, im Vergleich zu früheren Spots von Trivago ist dieser aber in der Tat sehr langweilig und unkreativ.

  4. Thomas sagt:

    Der Trivago Nuschler führt zwar dazu, dass man sich die Werbung merkt, aber sie negativ assoziiert.
    Gute Werbung? Nein. Nervpotential ja. Assoziation: Trivago meiden!

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