6. April 2016 um 17:13 Uhr

Touchdown für Twitter?

Touchdown für Twitter?

Der Kurznachrichtendienst Twitter will sich nicht totsagen lassen. Kürzlich erst geisterte der Hashtag #RipTwitter durch das Netzwerk, als Reaktion auf das Gerücht, Twitter plane, die 140-Zeichen-Grenze aufzugeben. Auch Planungen der Verantwortlichen, die chronologische Sortierung aufzugeben, beunruhigen viele Nutzer. Als Reaktion auf sinkende Nutzerzahlen und allgemeine Unzufriedenheit wirft Twitter nun das lederne Ei statt eines Handtuchs.

Für eine Summe, die recode.net auf 10 Millionen Dollar beziffert, hat sich Twitter weltweite Ausstrahlungsrechte an den Donnerstagspartien der US-amerikanischen National Football League (NFL) gesichert. Zu den Mitbewerbern, die gegen Twitter das Nachsehen hatten, gehört unter anderem Amazon. Twitter bahnt sich damit einen Weg direkt in die Endzone des Streaminggeschäfts und bringt sich unter anderem gegen Facebook und Youtube, die auch zunehmend eigene Inhalte bieten wollen, in Position. Ein Spielzug mit Touchdown-Potential oder eher ein viel zu teures Wagnis?

 

An jedem verdammten … Donnerstag?

Der American Football ist in seinem Heimatland ein Riesengeschäft und Quotenhit, allerdings vor allem am Wochenende. Die Spiele am Donnerstag ziehen weniger Zuschauer an und gelten in der Regel nicht als Highlights. Daher kam Twitter mit (vermutlich) 10 Millionen Dollar noch recht günstig davon, vergleicht man die Summe mit anderen Beträgen, die für Übertragungen in den populären Sportarten gezahlt werden. Stichwort Popularität. American Football ist in den USA Nationalsport, im Rest der Welt eher ein Gelegenheits-Spektakel. Der Super Bowl erregt auch in Europa eine gewisse Aufmerksamkeit und holt für den sehr späten Sendeplatz gute Einschaltquoten. Manch ein deutscher Footballfan nimmt sich gar den Montag frei, um sich die diese eine Sonntagnacht den Schlaf zu schenken. Der gewöhnliche Ligabetrieb – und nichts schreit im American Football so sehr nach gewöhnlichem Ligabetrieb wie die Donnerstagspartien – erregt außerhalb der USA dagegen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Richtet sich Twitters Einstieg in die Sportübertragung also vorrangig an das US-Publikum? Dieses kann die Donnerstagsspiele auch weiterhin wie gewohnt im TV auf den Sendern CBS und NBC verfolgen, denn Twitter hat nicht die alleinigen Rechte erworben.

 

#Football

Als Kurznachrichtendienst hat Twitter einen eigenen Anspruch: so viele Menschen wie möglich sollen live ihre Meinung zu Ereignissen aller Art über die Plattform kommunizieren. In 140 Zeichen lassen sich keine Romane schreiben, aber die würde auch niemand lesen, wenn gerade der Super Bowl läuft. Twitter lädt die Nutzer dazu ein, Events wie eine Sportübertragung gemeinsam zu verfolgen. Alle zusammen auf einem riesigen Sofa, auf dem jeder schnell mal eben seine Meinung kundtun kann. Kurz und knackig. Das funktioniert stellenweise bereits sehr gut. 2014 wurde beim Abpfiff des Fußballweltmeisterschaftsfinales mit 618.725 Tweets pro Minute ein neuer Rekord aufgestellt, Insgesamt wurden während des Spiels 32,1 Millionen Tweets abgegeben.

Mit der eigenen Footballübertragung versucht Twitter, beides in eins zu bieten: die Live-Bilder und die Plattform, um sich darüber auszutauschen. Zukünftig sollen die Nutzer nicht mehr mit einem Auge auf den Fernseher und einem Auge in Twitter Sportveranstaltungen erleben, sondern mit beiden Augen in Twitter. Der zu Twitter gehörende Livestreaming-Dienst Periscope dürfte dabei die ausbaufähige Basis für das neue Angebot bilden. Twitter verfolgt seine Ziel, die Plattform zu sein, über die alle gemeinsam live dabei sind, damit durchaus konsequent weiter, die Donnerstagsspiele der NFL können dabei aber eigentlich nur ein erster Schritt sein. Ein großes, breites Publikum zieht man so wahrscheinlich noch nicht an.

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