frog block | Technik und Design Blog

30. Juni 2015 um 14:57 Uhr

Sind Visitenkarten eigentlich noch zeitgemäß?

Sind Visitenkarten eigentlich noch zeitgemäß?

Wer die Romanverfilmung „American Pyscho“ gesehen hat, erinnert sich bei dem Stichwort Visitenkarte wohl auf Anhieb an eine prägnante Szene, in der sich mehrere Yuppies untereinander ihre Visitenkarten präsentieren und damit in einen unausgesprochenen Wettkampf eintreten. Der von Christian Bale verkörperte Hauptcharakter Patrick Bateman ist der Panik nahe, als er die geschmackvollen Schriften und edlen Farben auf den Karten seiner Geschäftsfreunde sieht.

Der Film „American Pyscho“ spielt in den 1980er Jahren. Heute, im Jahr 2015, sind Visitenkarten noch immer ein fester Bestandteil des Geschäftslebens, aber wie lange noch? Sind sie in Zeiten des Email-Verkehrs nicht längst schon überholt? Es stellt keine große technische Herausforderung mehr dar, elektronische Visitenkarten, so genannte VCards, zu erstellen, und z.B. als Anhang einer E-Mail zu verschicken. Mit VCards spart man sich Gestaltungs- und Druckkosten, sie liegen nicht herum und man kann weder zu viele noch zu wenige davon haben. Die Vorteile liegen auf, aber eben nicht direkt in der Hand. Einem Geschäftspartner in einem Face-to-Face-Gespräch mitzuteilen, man werde ihm zeitnah eine Email zuschicken, ist deutlich weniger verbindlich und persönlich als die unmittelbare Übergabe einer Visitenkarte. Besonders unangenehm wird es, wenn der Gegenüber eine Visitenkarte überreicht, man selber aber keine hat. So erhält man etwas, gibt aber nichts zurück.

 

Die Geschichte der Visitenkarte

Wer in früheren Zeiten als Bittsteller oder Gast einen wohlhabenden Haushalt aufsuchte, übergab seine Visitenkarte dem Diener oder der Empfangsdame zur Weiterreichung an den Hausherren bzw. die Hausdame. Der Besucher wies sich somit aus und bat um Audienz. Bei höfischen Festveranstaltungen erhielt der Zeremonienmeister die Visitenkarten, um die Gäste anzukündigen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Brauch, Visitenkartenporträts von sich anzufertigen, die man auch Carte de Visite nannte. Diese Fotografien im Visitenkartenformat wurden innerhalb von Familien und Freundeskreise ausgetauscht und in speziellen Alben gesammelt. Im 20. Jahrhundert ebbte dieser Trend wieder ab und die Visitenkarte entwickelte sich zu dem Medium, das sie heute noch ist – und wohl auch noch eine Weile bleiben wird.

 

Etikette & Eigenwerbung

Der Austausch der Visitenkarten ist im Geschäftsleben nach wie vor ein Akt der Höflichkeit, der ein gutes Gespräch besiegelt und die Tür für weiteren Kontakt öffnet. Dabei dient die Visitenkarte auch immer der Eigenwerbung. Man hinterlässt sicht- und greifbar seine Daten, das Firmenlogo, den Firmenslogan und/oder zusätzliche Informationen wie Öffnungszeiten und Anfahrtsbeschreibung. Visitenkarten lassen sich auf Veranstaltungen hervorragend verteilen und unter die Leute bringen, was für elektronische Informationen selbstverständlich nicht gilt. Gerade bei zufälligen, aber geschäftlich viel versprechenden Begegnungen ist der Austausch von Visitenkarten der Schlüssel zu einer fortgesetzten Kommunikation.

Insgesamt gehört die Visitenkarte trotz aller Modernisierung noch immer zur Corporate Identity und bildet ein nützliches Element. Es ist eine schlichte Wahrheit, dass man ohne Visitenkarte zur Hand in so manchen Situationen einen unvorteilhaften Eindruck hinterlassen kann. Eine andere Wahrheit soll dabei aber nicht verschwiegen werden: die elektronische Lösung ohne den Ge- und Verbrauch von Papier ist natürlich umweltschonender.

Geschrieben von

2 likes Allgemeines , Werbetrends # , , , , ,
Share: / / /

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *