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8. Januar 2016 um 10:00 Uhr

Lost and not connected – Der Büroumzug

Lost and not connected – Der Büroumzug

Der erste Schritt ist immer der schwerste. Irgendjemand muss den Mut und die Motivation aufbringen, endlich den ersten Tacker vom Schreibtisch in den Umzugskarton zu schieben. Es braucht einen Freiwilligen, der den Startschuss für das große Aus-verrück-verpack-misten gibt, das dann heuschreckenartig das gesamte Büro erfasst. Läuft die Maschine erst einmal heiß, ist kein Tacker mehr sicher. Die Schränke leeren und die Kartons füllen sich. Dabei tauchen in den hintersten Ecken und tiefsten Schubladen so manche lange verschollene und leidlich vermisste Schätze wieder auf. Umgekehrt fallen dafür Dinge, die man unbedingt behalten wollte, auf dem Weg ins neue Domizil einem rätselhaften Schwund zum Opfer und hinterlassen betroffene Ratlosigkeit.

 

So ein Büroumzug ist wahrlich ein Abenteuer für sich – komplex, anstrengend und nervenaufreibend. Wer sich wie wir traut, dies unmittelbar vor dem Weihnachtsfest in Angriff zu nehmen, dem kann man wirklich ein gesundes Maß an Wahnsinn attestieren.

 

Der Kampf mit den Kartons

Wie schwer kann es sein, einen Pappkarton zusammenzufalten? Das kommt erheblich auf die Ansprüche an. Soll der Karton ein Beispiel geometrischer Perfektion sein oder darf er auch aussehen wie schon dreimal vom Transporter gefallen? So richtig kooperativ zeigen sich Kartons im Allgemeinen nicht, Risse, Knicke und Dellen sind kaum zu vermeiden. Dies hängt auch mit der Schwierigkeit zusammen, die ideale Inhaltsmenge zu eruieren. Zwei Faktoren müssen hierbei besonders berücksichtigt werden: der Karton muss sich noch schließen lassen und man sollte sich keinen Bruch an ihm heben. Legt man diese Regeln freilich zu streng aus, ergibt sich ein anderes Problem: eine kaum noch zu überschauende Menge an Kartons, die das Büro in ein pappiges Labyrinth verwandeln. Einmal nicht aufgepasst und schon ist ein Leuchtfeuer nötig, um zum Schreibtisch zurückzufinden. Sofern dieser nicht selbst schon verpackt ist. Wir können allerdings stolz verkünden, dass wir diese Herausforderung gemeistert, um nicht zu sagen gepackt haben, und nun hoffentlich für sehr lange Zeit keine Kartons mehr sehen müssen.

 

Muss das mit und wenn ja, wie viele?

Die vielleicht schwierigste Aufgabe bei einem Umzug ist die Entscheidung, was überhaupt mit auf die große Reise darf. Über Jahre sammeln sich in einem Büro zahllose Dinge an, die kaum bis gar nicht beachtet in Schränken, Schubladen und Regalen herumliegen. Kommt man nun an den Punkt, konkret entscheiden zu müssen, ob das weg soll, wird es problematisch. Es kann ja doch sein, dass man das irgendwann noch mal braucht, auch wenn das in den letzten zehn Jahre nicht der Fall war, und es weiß keiner mehr, wem das ursprünglich gehört hat, wobei es wahrscheinlich durch fünf Hände gegangen ist, die sechste Hand es einfach in die nächste freie Schublade bugsiert hat und es nun keiner gewesen sein will. Trotzdem ist ja nicht auszuschließen, dass man das irgendwann vielleicht … oder auch nicht … Ungeachtet aller Zweifel und Diskussionen haben wir am Ende die notwendigen Entscheidungen getroffen und konnten unser altes Büro verschlankt verlassen – nur leider etwas zu verschlankt.

 

Die böse Überraschung

Wenn endlich alle Kartons das neue Büro erreicht haben und jeder vor seinem Rechner sitzt, die beste Position für die Maus suchend und die Schreibtischutensilien passend hin- und herschiebend, sind alle Strapazen vergessen … so stelle ich es mir zumindest vor. Bei uns lief es dann leider ein wenig anders. Als sich der schweißtreibende Tag seinem Ende näherte, wurde deutlich, dass ein Karton zu einem Bermuda Viereck geworden und auf mysteriöse Weise verschwunden war, mit sich ein kompletter Rechner, der ­– um es vorsichtig auszudrücken – nicht unwichtige Programme und Daten enthielt. Dies war, keine 24 Stunden vor Weihnachten, der Startschuss zu einer panischen Suche an allen möglichen und unmöglichen Orten. Jeder Stein zwischen dem neuen und dem alten Büro wurde umgedreht, zurückgedreht, wieder umgedreht, hochgehoben und geschüttelt. Der Rechner blieb verschwunden. Auch jetzt kann ich leider kein Happy End verkünden. Wir wissen nach wie vor nicht, was mit der Fracht geschehen ist und warum gerade dieser Rechner, der nicht speziell gekennzeichnet war, vom Erdboden verschluckt wurde. Leider steht zu befürchten, dass der Erdboden nicht der Täter war. Eine bittere Erfahrung, von der wir uns aber nicht aus der Spur bringen lassen.

 

Lange Leitung

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft fast immer eine Lücke. Jeder, der schon einmal ein Ferienhaus gemietet hat, das im Katalog wie ein Traum in Quadratmetern wirkte und in der Realität nur drei Wände hatte, weiß das. Auch wir mussten uns zunächst im Raum zwischen Anspruch und Wirklichkeit einrichten. Vieles, was jetzt funktioniert oder besser aussieht, bzw. in absehbarer Zeit funktionieren oder besser aussehen wird, präsentierte sich zunächst nicht in der Art, wie wir uns das gewünscht hätten. So blieben uns nach unserem Büroumzug anfangs sowohl Telefon als auch Internet versagt, was nicht zuletzt auf das spezielle Serviceverständnis eines spezifischen Unternehmens mit einer markanten Hausfarbe zurück zu führen war. Schon als Privatbürger fühlt man sich heutzutage ohne Telefon und Internet sehr eingeschränkt und abgeschnitten, als Werbeagentur … nun ja. Sagen wir mal so: hätten wir Produktivität googeln können, wären die Resultate nicht deckungsgleich mit dem gewesen, was uns zu leisten möglich war. Trotzdem haben wir versucht, aus der Situation das Beste zu machen und uns die Aufbruchstimmung zu bewahren.

 

Gute Aussichten

Noch haben wir den Status einer Baustelle nicht ganz verloren und müssen an einigen Stellen weiterhin improvisieren, doch es ist mehr und mehr erkennbar, dass wir uns ein schönes neues, modernes Büro schaffen, in dem wir viel erreichen werden. Das Stresslevel eines Umzugs sagt glücklicherweise nichts über den Wohlfühlfaktor des neuen Domizils aus. In diesem Sinne: wir sind umgezogen und das ist gut so.

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