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16. Juni 2015 um 15:21 Uhr

Lernen aus dem Scheitern – Die Geschichte(n) missglückter Startups

Lernen aus dem Scheitern –  Die Geschichte(n) missglückter Startups

Es wäre schön, wenn eine gute Idee und große Motivation allein schon ausreichen würden, um ein erfolgreiches Projekt auf den Weg zu bringen, das mit der Zeit Gewinn abwirft und Arbeitsplätze sichert, aber eine Vielzahl wahrer Geschichten aus aller Welt beweist, dass dem nicht so ist. Über die Online-Plattform Autopsy.io können die Storys gescheiterter Startups von 2006 bis heute nachgelesen werden, geschrieben von den erfolglosen Unternehmern selbst. Aus diesen persönlichen Geschichten lassen sich so manche Lehren ziehen.

 

Löse nur Probleme, die du selber kennst

Du sitzt in der Bahn, beobachtest jemanden beim Zocken auf einer tragbaren Spielkonsole und hast spontan eine Eingebung, wie sich der Spielspaß auf Reisen noch optimieren lässt. Das ist toll, nur spielst du selber gar keine Videospiele bzw. nutzt nie tragbare Spielkonsolen. Du investierst also Zeit, Mühe und Geld in die Lösung eines Problems, das du selber nie hattest und mit dem du folglich nicht vertraut bist, von dem du gar nicht mal sicher weißt, ob es wirklich ein Problem ist, für dessen Lösung Menschen auch noch Geld bezahlen würden. Diverse Startup-Storys dokumentieren, dass dies nicht die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt sind. Es fehlt der Bezug zur anvisierten Zielgruppe, was es selbstverständlich sehr erschwert, diese Idee zahlungskräftigen Investoren schmackhaft zu machen.

 

Braucht die Welt das wirklich?

Auch wer zur Zielgruppe seiner eigenen Idee gehört, steht unweigerlich vor der Frage, ob das, was er da anbietet, tatsächlich ausreichend gefragt ist. Die durchaus bittere Erfahrung, dass ein scheinbar brillantes Konzept, das es so noch nie gab, einfach nicht auf Interesse stößt, mussten leider schon viele Startupper machen. Tatsächlich scheitert sogar die Mehrheit der gefloppten Startups genau daran. Woran liegt es, dass die Resonanz ausbleibt? Manche Ideen sind ihrer Zeit voraus oder aber kommen zu spät. Viele Konzepte sprechen schlichtweg eine zu kleine Gruppe an, die keinen gewinnbringenden Markt bildet, oder das durchaus vorhandene Interesse lässt sich nicht in monetären Erfolg ummünzen. Nicht für alles, was einem irgendwie gefällt, ist man auch bereit zu zahlen oder, im Fall von Apps, Programmen und ähnliches, häufig auftretende Werbung zu akzeptieren. Damit das Startup nicht zum Glücksspiel wird, lohnt es sich daher, zunächst Zeit und Budget in Marktbeobachtungen zu investieren.

 

Vermarkte nichts, was du nicht hast

Die Idee ist gut, Interessenten vorhanden, das Budget erst einmal gesichert, da kann man schon mal das Wesentliche vergessen: das Produkt an sich. So einige Startupper, die sich ehrlich mit ihrem Scheitern auseinandersetzen, kommen zu dem Schluss, dass sie sich zu wenig auf die technische Umsetzung ihres Produktes und zu sehr auf die Vermarktung konzentriert haben. Statt die Kinderkrankheiten auszumerzen, an denen neue Erfindungen zu leiden pflegen, wird in erster Linie die Werbetrommel gerührt, bei Investoren, in den Medien und bei potentiellen Kunden. Am Ende hat so mancher Jungunternehmer ein Produkt beworben, dass er gar nicht bieten konnte, zumindest nicht in der angepriesenen Form oder zur versprochenen Zeit. Es ist ein gutes Gefühl, für die eigene Idee Aufmerksamkeit zu bekommen, sich davon ablenken zu lassen wirkt sich aber mitunter fatal aus.

 

Wer sind diese Leute?

Eher selten kann eine Person eine Idee ganz alleine umsetzen und ein erfolgreiches Ich-Startup aufbauen. Der Urheber einer Idee besitzt nicht automatisch das technische, handwerkliche und/oder künstlerische Können, diese zu realisieren, von den finanziellen Mitteln ganz zu schweigen. Dementsprechend braucht ein junger Unternehmer ein Team, das ihn unterstützt und die Fähigkeiten mitbringt, die er nicht hat, sowie Investoren, die ihn finanziell begleiten. Leider lehrt uns die Erfahrung diverser Startup-Gründer, dass auch hier viele Risiken lauern, die einem Projekt letztlich den Todesstoß versetzen können. Ein Team, das die Anforderungen nicht erfüllt, ist der dritthäufigste Grund für das Scheitern eines Startups, Disharmonien innerhalb des Teams oder mit den Investoren nicht einmal eingerechnet. Die richtigen Leute zu finden erweist sich mitunter als eine zu große Herausforderung, besonders für Anfänger, die zum ersten Mal Arbeitgeber sind.

 

Ohne Moos …

Der wohl simpelste und doch so schwerwiegende Grund für das Scheitern vieler Startup-Unternehmen ist das Geld, genauer gesagt dessen Mangel. Viele Nachwuchsunternehmen können nicht genug Kapital akquirieren oder dieses nicht geschickt genug nutzen und sitzen irgendwann einfach auf dem Trockenen. War es der Versuch wert? Das muss am Ende jeder für sich entscheiden.

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3 Kommentare bei “Lernen aus dem Scheitern – Die Geschichte(n) missglückter Startups

  1. Anna Franzen sagt:

    Hallo liebe Maret,
    dein Beitrag gefällt mir sehr. Das Thema ist in aller Munde. Doch mir fehlen die Stories. Welche Startups sind gescheitert, welche Unternehmer berichten darüber und welche Schlussfolgerungen oder neue Produkte sind entstanden? Wäre doch interessant auch darüber etwas lesen zu können.
    Liebe Grüße

    1. Maret Hosemann Maret Hosemann sagt:

      Schön, dass dir der Beitrag gefällt. Zunächst wollte ich einige Startups explizit aufgreifen, habe dann aber gemerkt, dass sich die genannten fünf Gründe ständig wiederholen. Letztlich erschien es mir übersichtlicher und umfassender, die Quintessenz herauszustellen. So kann ich quasi die Geschichte aller gescheiterten Startups erzählen.

      1. Anna sagt:

        Hallo Maret,
        das ist auf jeden Fall nicht verkehrt und richtig so. Für Leser gäbe es durch Links auf jeden Fall eine Möglichkeit sich das ganze noch genauer anzuschauen, wenn man denn möchte.

        Macht weiter so, euer Content ist sehr hilfreich.

        Liebe Grüße
        Anna

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